ESG-Kriterien: Das müsst ihr wissen! Was bedeutet Environmental, Social, Governance für euer Unternehmen?

ESG, Diversity, Umweltschutz oder CSR, die Begrifflichkeiten rund um das Thema Nachhaltigkeit überschlagen sich förmlich. Kein Wunder, da der Klimawandel an einem Punkt angekommen ist, der bei Nichtbeachtung nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft und Gesellschaft einen unwiderruflichen Schaden einbringt. Grund genug, sich für dieses Thema zu interessieren. Doch wie genau hängt das mit eurem Unternehmen zusammen? In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr über die ESG-Definition sowie die Vorteile und Umsetzungsmöglichkeiten für euer Unternehmen.

Was ist ESG und warum ist es relevant für euer Unternehmen?

Das Thema Nachhaltigkeit ist komplex und erfordert eine Reihe von Kriterien, die zugleich relevant, messbar und vergleichbar sind. Nur so lassen sich Unternehmen anhand ihres Einsatzes für eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft bewerten und vergleichen. ESG fasst genau das zusammen. Besonders wichtig ist das Thema zurzeit in der Finanz- und Anlagenwirtschaft. Die ESG-Aspekte bringen erstmals eine einheitliche Struktur in das Thema Bewertung von Nachhaltigkeit.

Die drei Buchstaben stehen für Environmental, Social und Governance – auf Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Für jeden dieser Aspekte sind Kriterien aufgelistet, die benötigt werden, um festgelegte Ziele zu erreichen. Diese Ziele sollen nicht nur der Umwelt und Gesellschaft helfen, sie sind auch für das eigene Unternehmen und dessen Performance förderlich.

Durch die ESG-Kriterien soll Transparenz entstehen. Dadurch können Anleger, Kunden und auch Einzelpersonen sehen, was ein Unternehmen genau für die Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft bewirkt. ESG funktioniert also wie ein Siegel mit bestimmten Richtlinien für den Nachhaltigkeitsanspruch.

Auf die ESG-Richtlinien wurde sich im Jahr 2015 in der Agenda 2030 geeinigt. Die als globales Transformationsprogramm deklarierte Agenda soll eine weltweite ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltige Entwicklung erzielen. Die genauen Inhalte der Agenda 2030 erklären wir jetzt.

Die 17 Ziele sind in der Agenda 2030 festgelegt. © Shutterstock, MintBlac
Das Hauptziel der Agenda 2030 sind die Sustainable Development Goals. © Shutterstock, MintBlac

Was beinhaltet die Agenda 2030?

Im UN-Arbeitspapier von 2004 “Who cares wins” wurden die ESG-Kriterien erstmals erwähnt. Das Wort “caring” bezieht sich hier auf Themen wie Klimawandel, Diversität und nachhaltige wirtschaftliche Strategien. Mit der Agenda 2030 haben die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen im Herbst 2015 ein gemeinsam definiertes Ziel für eine nachhaltige Entwicklung beschlossen. In Verbindung mit dem Pariser Klimaabkommen soll das Leben und die Wirtschaft emissionsarm werden, um die nächsten Generationen zu schützen.

Grund­vorstellung der Agenda 2030 ist, dass die Entwicklung unserer Gesellschaft und Wirtschaft hin zu mehr Wohlstand nur erreicht werden kann, wenn Umwelt und Klima geschützt werden sowie die Menschenrechte aller gewahrt werden. Entwicklung soll demnach nicht auf Kosten des Planeten oder von Menschen erfolgen. Dieses neue Verständnis von Wohlstand geht über das finanzielle Denken des Pro-Kopf-Einkommens hinaus. Es geht vielmehr um den globalen Zugang zu nachhaltigem Konsum sowie saubere, erschwingliche Energie und Armutsbekämpfung. Das erfordert eine Umgestaltung aller Volkswirtschaften.

Die Agenda 2030 fordert ausdrücklich, dass die schwächsten Staaten in den Mittelpunkt gerückt werden müssen und starke Industrieländer mehr finanzielle und nicht finanzielle Investitionen in die nachhaltige Entwicklung tätigen sollten. Unter dem Motto “leave no one behind” – lasst niemanden zurück – soll damit die Relevanz verdeutlicht werden, dass nur ein globales Handeln eine greifbare Veränderung bewirkt. Dazu zählt jeder einzelne Mensch bis hin zu den größten Industriestaaten.

Hauptinhalt der Agenda 2030 sind 17 Ziele, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), auf die wir später im Beitrag genauer eingehen werden. Diesen Zielen sind fünf handlungsleitende Prinzipien vorangestellt, die die Zusammenhänge zwischen den Zielen verdeutlichen und die Kernbotschaften der Agenda 2030 unterstreichen.

Was sind die fünf Kernbotschaften der Agenda 2030?

Auch Deutschland trägt als Industriestaat die Verantwortung für die globale nachhaltige Entwicklung. Es wird mit großem Engagement an der Umsetzung der ESG-Kriterien gemeinsam mit den Partnerländern gearbeitet. Das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) orientiert sich dabei an den folgenden Prinzipien:

  1. Die Würde des Menschen (people):
    Viele Menschen leiden unter Armut, Hunger und Diskriminierung. Der Aspekt People legt die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte, die Verbesserung der Lebenssituation von benachteiligten Bevölkerungen sowie die Reduzierung von Ungleichheit.
  2. Der Schutz unseres Planeten (planet):
    Der Konsum soll geringer und fairer werden, hin zu einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Dazu zählt auch die Nutzung von Meeren und Ozeanen. Zudem sollen Ökosysteme und Biodiversität erhalten werden. Diese Schritte müssen alle erfolgen, um den Klimawandel zu bekämpfen.
  3. Wohlstand fördern (prosperity):
    Die Wirtschaft ist die Quelle für Wohlstand und Entwicklung. Um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu fördern, müssen alle Menschen einen gerechten Zugang zum wirtschaftlichen, sozialen und technischen Fortschritt haben. Gleichermaßen sollten alle Beschäftigten einen sicheren und menschenwürdigen Arbeitsplatz besitzen. Die Kluft zwischen Arm und Reich darf nicht noch größer werden.
  4. Frieden sichern (peace):
    Jeder hat das Recht auf ein Leben in Frieden, ohne Angst und Gewalt. Dazu braucht es eine gute Regierungsführung sowie inklusive Gesellschaften, in denen alle Menschenrechte geachtet werden.
  5. Globale Partnerschaften aufbauen (partnership):
    Jeder muss mitmachen. Nur so werden die Ziele der Agenda 2030 erreicht. Internationale Zusammenarbeit soll nicht nur zwischen den Staaten erfolgen. Die nachhaltige Entwicklung muss in jedem Unternehmen und für jeden Einzelnen ein Ziel darstellen.
In den 17 Zielen sind grundlegende, nachhaltige Veränderungen festgelegt.
Die Sustainable Development Goals sind Hauptbestandteil der Agenda 2030.

Was besagen die SDGs?

Die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 heißen Sustainable Development Goals (SDGs). Die Regierungen weltweit, die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft und die Wissenschaft sollen sich an ihnen orientieren, um bis 2030 eine nachhaltigere Welt zu gestalten.

Die 17 Ziele bedingen einander und können nur gemeinsam erfüllt werden. Sie stehen alle in einer Abhängigkeit zueinander. Beispielsweise kann kein Wirtschaftswachstum entstehen (SDG 9), wenn es keinen gerechten Zugang zur Bildung (SDG 4) oder weiterhin Ungleichheiten (SDG 11) gibt.

Neben den fünf Kernbotschaften sind die Ziele jeweils einem ESG-Aspekt zugeordnet. Eine genauere Erklärung, was die Ziele erreichen wollen, findet ihr im Beitrag E-Environment, S-Social und G-Governance. Alle 17 Sustainable Development Goals sind im Folgenden für euch aufgelistet:

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichstellung
  6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  7. Bezahlbare und erneuerbare Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Weniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. Nachhaltige/r Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele
Der Klimawandel fordert eine Veränderung der Gesellschaft. © Shuttertsock, Sunset Paper
Das E in ESG beschäftigt sich mit dem Umweltaspekt. © Shuttertsock, Sunset Paper

Wer hat das Konzept ESG entwickelt?

Der diplomierte Finanzanalytiker (CIIA) und Vermögensverwalter (AZEK) Ivo Knoepfel erstellte für die Vereinten Nationen die Studie “Who Cares Wins”, die wir eingangs schon einmal erwähnt haben. In diesem Papier führte er erstmals das Akronym ESG für Environmental, Social, Governance ein. Damit spaltete er den Begriff von dem damals dominierenden SRI (Socially Responsible Investment) ab. Was es genau damit auf sich hat sowie der Unterschied zur CSR (Corporate Social Responsibility) erfahrt ihr später im Beitrag. Ivo Knoepfel stand in der ersten Reihe bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsziele und war viele Jahre Berater der UN Principles for Responsible Investing Initiative und dessen Unterzeichner:innen.

Was bedeutet der Aspekt Environmental?

Environmental beschreibt den Umweltaspekt. Vor allem der von Menschen geförderte Klimawandel schädigt zunehmend unsere Umwelt. Damit gehen auch erhöhte Risiken für die Gesellschaft und die Wirtschaft einher, da Umweltkatastrophen und extreme Wetterereignisse immer häufiger werden. Aus diesem Grund soll mit dem Umweltaspekt erreicht werden, dass jede Einzelperson sowie Unternehmen und Organisationen ihren ökologischen Fußabdruck verringern, um dem Klimawandel aktiv entgegenzuwirken.

Die übergreifenden Ziele des Umweltaspektes sind, die Umweltverschmutzung sowie Treibhausgasemissionen deutlich zu senken. Dafür braucht es ein schonendes Ressourcenmanagement sowie einen fairen Bezug und Verkauf von Konsumgütern. Außerdem soll erhöht auf erneuerbare Energien gesetzt werden.

Wenn ihr mehr über das Thema Umwelt in Hinblick auf ESG erfahren wollt, empfehlen wir euch diesen Beitrag. Darin erfahrt ihr, welche SDGs das E verfolgt, wie die Vorteile für euer Unternehmen aussehen und welche Kriterien ihr beachten solltet, um ein gutes ESG-Rating zu erlangen.

Wie können die Umweltaspekte im Unternehmen umgesetzt werden?

Wenn ihr in eurem Unternehmen nachhaltig handeln wollt, haben wir folgende Tipps für euch. Zum einen ist es nicht von Bedeutung, um was für ein Unternehmen es sich handelt. Auch Einzelpersonen können zum Umweltschutz beitragen, man muss nur wissen wie.

Ein großer Faktor ist die Digitalisierung von Unternehmensprozessen. Daraus folgen einige Vorteile sowohl für die Umwelt als auch für euer Unternehmen. Ihr schafft es dadurch, weniger Müll zu produzieren und könnt an Papier, Kosten und sogar Räumlichkeiten sparen. Durch unser Angebot an Online-Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen wissen wir zudem, wie die Digitalisierung viele Prozesse erleichtert und beschleunigt.

Das war nur ein Beispiel davon, wie ihr Nachhaltigkeit und Umweltschutz in euer Unternehmen integrieren könnt, mehr davon erfahrt ihr hier.

Soziale Aspekte werden in der Wirtschaft und der Gesellschaft immer wichtiger. © Shutterstock, I AM NIKOM
Arbeitssicherheit ist ein wichtiger Faktor des sozialen Aspektes. © Shutterstock, I AM NIKOM

Wofür steht Social?

Das S in ESG steht für Social und verdeutlicht die soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft sowie der Wirtschaft. Für ein Unternehmen geht es hierbei vor allem um die Arbeitsbedingungen, unter denen die Mitarbeitenden beschäftigt sind sowie die Zusammenarbeit mit Produzent:innen, die menschengerecht und fair handeln. Global richtet sich das Thema Social an die Sicherung von Menschenrechten und Bildung.

Die sozialen Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung gehen jedoch noch weiter. Themen wie Diversity, Geschlechterrollen und Arbeitssicherheit werden immer wichtiger. In diesem Beitrag findet ihr weitere wissenswerte Informationen.

So setzt ihr eine soziale Unternehmensstrategie richtig um

Für euch als Arbeitgebende ist die Umsetzung der sozialen Aspekte besonders wichtig. Ihr tragt in eurem Unternehmen die Verantwortung dafür, die Sicherheit und Gesundheit eurer Mitarbeitenden zu schützen. Die Grundlage für einen sicheren Arbeitsplatz bildet immer eine Gefährdungsbeurteilung. Was genau eine Gefährdungsbeurteilung beinhaltet, könnt ihr diesem Artikel entnehmen. Mit unserem Onlinetool SMART CAMPUS könnt ihr die wichtigsten Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilung einfach online durchführen.

Neben der Arbeitssicherheit kommen zu den sozialen Aspekten noch weitere Probleme hinzu, die wir in Deutschland weniger verzeichnen, wie beispielsweise Kinderarbeit oder Ungleichheiten beim Recht auf Bildung. Wie ihr jedoch dazu beitragen könnt, dass auch diese Aspekte weltweit verbessert werden, verraten wir euch hier.

Nachhaltige Governance heißt ESG-Kriterien in allen Entscheidungen zu berücksichtigen. © Shutterstock, antoniodiaz
Eine gute Unternehmensführung wirkt sich auf alle ESG-Kriterien aus. © Shutterstock, antoniodiaz

Was hat es mit dem Governance-Aspekt auf sich?

Der Aspekt Governance scheint auf den ersten Blick etwas weniger greifbar zu sein. Doch Fakt ist, dass er die Grundlage für die Umsetzung der Aspekte Environmental und Social bildet. Governance steht für eine gute Unternehmensführung. Doch was bedeutet gut?

In Hinblick auf die 17 Ziele ist der Aspekt Governance dafür zuständig, dass eine Unternehmensführung nachhaltige Richtlinien, Regeln und Kontrollprozesse entwickelt. Das Unternehmen soll dadurch in eine umweltfreundliche, ethisch korrekte und wirtschaftlich interessante Richtung gelenkt werden. Die Ziele des Unternehmens sollen also mit den Zielen von Umwelt und Sozialem in Einklang gebracht werden. Was eine gute Governance beinhaltet, erfahrt ihr hier.

Wie könnt ihr eure Unternehmensführung ESG-konform gestalten?

Bei der Unternehmensführung geht es nicht nur darum, nachhaltige Prozesse in eurem Unternehmen vorzuschreiben, sie müssen auch umgesetzt und kontrolliert werden. Dabei geht es um die Aspekte E und S gleichermaßen wie um die der Governance. Ein bedeutender Faktor liegt auf dem Risikomanagement eines Unternehmens. Doch auch Kriterien wie das Rechnungswesen und Compliance-Themen sind relevant.

Laut Studien können allein durch die Einführung von mehr Diversität im Vorstand bessere Ergebnisse und dadurch mehr Gewinn erzielt werden. In diesem Beitrag findet ihr weitere Vorschläge für die Umsetzung von Governance-Kriterien in eurem Unternehmen.

Viele Demonstrationen fordern eine Veränderung in der Gesellschaft. © Shutterstock, DisobeyArt
Das Thema Klimawandel ist auch in der Öffentlichkeit ein wichtiges Thema © Shutterstock, DisobeyArt

Seit wann ist ESG ein Thema für Unternehmen?

Bereits 1713 formulierte Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit in seinem Buch über die Forstwirtschaft. Er sagte, es solle nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch nachwachsen kann. Seit diesem Zeitpunkt begann eine lange Geschichte, in der das Thema Nachhaltigkeit immer stärker von Bedeutung wurde.

Die erste weltweite Umweltkonferenz wurde 1972 von den Vereinten Nationen initiiert. Bereits in dieser Konferenz entwickelte man 26 Prinzipien, die die Wechselwirkung zwischen dem Wirtschaftswachstum und den Folgen für die Umwelt aufzeigten. Im Jahr 1990 entstand dann der erste Aktienindex, der es Anlegern möglich machte, auf der Basis von Nachhaltigkeitsaspekten zu investieren.

ESG hat seinen Ursprung in der sozial verantwortlichen Geldanlage, das sogenannte Socially Responsible Investing (SRI). Bereits in den 1960er-Jahren hat das SRI Unternehmen empfohlen, bestimmte Geschäftsaktivitäten aus seinen Portfolios zu verbannen. Dabei handelte es sich zum Beispiel um Tabakunternehmen oder Verstrickungen mit Apartheidregimen, die ausgeschlossen wurden.

Nachdem ESG 2004 erstmals im UN Arbeitspapier „Who Cares Wins“ erwähnt wurde, wurde die Investoreninitative „Principles for Responsible Investment“ (PRI) im Jahr 2006 gegründet. Dieses Netzwerk aus Anlegern soll Investoren dabei unterstützen, vermehrt Kriterien der Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen. Schließlich kommen wir ins Jahr 2015, in dem die Sustainable Development Goals (SDGs) entwickelt und die Agenda 2030 verabschiedet wurden.

Jedes der ESG-Kriterien funktioniert nicht ohne das andere. © Shutterstock, Rawpixel.com
Nur mit globaler Zusammenarbeit können alle Ziele erreicht werden. © Shutterstock, Rawpixel.com

Ist ein ESG-Aspekt wichtiger als der andere?

Diese Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden, da, wie auch die 17 Ziele, die ESG-Kriterien eng miteinander verbunden sind. In der Öffentlichkeit dominiert ganz klar der Aspekt Environment. Durch den Klimawandel und die damit einhergehenden Umweltschäden müssen zwingend nachhaltige Maßnahmen getroffen werden. Doch auch die sozialen Aspekte werden immer wichtiger, sowohl für Investor:innen als auch für Arbeitnehmende selbst. Das Thema Work-Life-Balance und Gesundheit am Arbeitsplatz erhält zunehmende Aufmerksamkeit in der Geschäftswelt.

Letztendlich kann das eine nicht ohne das andere erreicht werden. Es muss eine Grundlage in der Unternehmensführung bestehen, die sowohl soziale- als auch Umweltaspekte fördert. Nur durch die Beachtung aller ESG-Kriterien kann etwas verändert werden.

Was hat es mit dem ESG-Rating auf sich?

Klassisch versteht man unter Rating im Finanzwesen die Einstufung eines Unternehmens anhand der Bonität. Die Bewertung erfolgt dabei nach ökonomischen Kriterien wie Rentabilität, Liquidität und Risiko. Beim ESG-Rating ist das zwar ähnlich, jedoch greift die Bewertung hier auf die Erfüllung der ESG-Kriterien zurück. Diese Bewertung wird jedoch nicht von Banken, sondern von speziellen Ratingagenturen durchgeführt. Basierend auf dem ESG-Rating können Anleger:innen feststellen, ob das angestrebte Investment mit den eigenen Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung im Einklang steht. Die Beachtung von ESG-Kriterien im Anlagemanagement nimmt vor allem durch die großen Umweltkrisen und den Klimawandel weiter zu.

ESG-Ratings haben eine enorme Orientierungsfunktion, da sie die Aspekte Environmental, Social und Governance greifbar, messbar und vergleichbar machen. Damit dienen sie auch als Art Kompass für Unternehmen, die ihre Unternehmensführung und Nachhaltigkeitsstrategien anpassen wollen. Ratings tragen dazu bei, Kapitalströme in eine “grüne” Richtung zu lenken.

Aufgrund der besseren Datenverfügbarkeit sind ESG-Ratings auf börsennotierte Unternehmen ausgerichtet. Das heißt jedoch nicht, dass sie für kleine Unternehmen und Einzelpersonen nicht genauso relevant sind.

ESG-Berichte sind wichtig für die Präsentation des Unternehmens in der Öffentlichkeit. © Shutterstock, fizkes
Durch ESG-Berichte können Unternehmen bessere Transparenz schaffen. © Shutterstock, fizkes

Was ist ESG-Reporting?

Das ESG-Reporting kann als Bericht verstanden werden, der Informationen über Umwelt-, soziale und Governance-Aspekte im Unternehmen enthält. Diese Offenlegung von Informationen dient dazu, die ESG-Aktivitäten eines Unternehmens gegenüber der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Unterschied zum ESG-Rating liegt darin, dass das Unternehmen das ESG-Reporting selbst erstellt. Das ESG-Reporting hilft dabei, Transparenz zu schaffen, ob ein Unternehmen ernsthaft an nachhaltiger Entwicklung mitwirkt oder nur Greenwashing betreibt. Im ESG-Report wird der qualitative und quantitative Nutzen der ESG-Maßnahmen zusammengefasst. Dabei unterscheidet man die Outside-in-Perspektive und die Inside-out Perspektive:

  • Outside-in-Perspektive: Ermittelt die Auswirkungen von ESG-Faktoren auf das Unternehmen intern. Das heißt die Performance, Marktstellung sowie die Kundenakquise oder Personalfluktuation.
  • Inside-out-Perspektive: Stellt die Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft und Umwelt dar. Zum Beispiel Energieeffizienz, Umweltverschmutzung oder nachhaltige Investitionen.

Was bedeutet eigentlich Greenwashing?

Greenwashing ist ein gezielter Marketing- oder PR-Schachzug von Unternehmen. Dabei präsentieren sie sich der Öffentlichkeit gegenüber als nachhaltig und “grün”, wobei sie keine Maßnahmen für eine Veränderung im Unternehmen durchsetzen. Es handelt sich häufig um Textilunternehmen, die Verbraucher:innen “umweltfreundliche” Produkte verkaufen, die in Wirklichkeit die Umwelt zunehmend belasten. Es gibt verschiedene Arten, wie Greenwashing betrieben wird. Damit auch ihr sie in Zukunft entlarven könnt, haben wir einige für euch aufgezählt:

  • Ablenkung: Ein einzelnes Produkt oder eine Dienstleistung wird kommerziell als nachhaltig verkauft und verharmlost damit die Gesamtheit der Angebote, die nicht umweltfreundlich hergestellt und verkauft werden.
  • Unwissenheit: Oft wird mit Inhaltsstoffen geworben, die nicht enthalten sind, wodurch das Produkt besonders nachhaltig erscheint. Dabei handelt es sich aber häufig um Inhaltsstoffe, die verboten sind oder bereits seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet werden.
  • Erfundene Gütesiegel: Nicht jedes Siegel auf einem Produkt oder eine Zertifizierung sind auch rechtsgültig oder überall anerkannt. Viele Siegel sind selbst erfunden und werden nur für gute Werbung genutzt.

Bei Investitionen solltet ihr demnach lieber genauer hinschauen als nur in die unternehmenseigene Werbung. Genau dafür bieten sich dann die ESG-Reports an. In diesen und an ESG-Ratings könnt ihr dann genaue Kennzahlen und Qualitäten der Unternehmen erkennen, die durch ehrliche Maßnahmen umgesetzt wurden.

CSR bedeutet Corporate Social Responsibility. © Shutterstock, LookerStudio
Das Ziel der Corporate Social Responsibility ist ebenfalls eine nachhaltigere Entwicklung. © Shutterstock, LookerStudio

Wie unterscheidet sich ESG von Corporate Social Responsibility?

Die beiden Ansätze ESG und CSR (Corporate Social Responsibility) haben zunächst ähnliche Ziele. Beide streben an, durch ethisches und moralisches Wirtschaften eines Unternehmens zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beizutragen. Dennoch sind die Begriffe nicht als Synonym zu verstehen.

Corporate Social Responsibility (CSR) beschreibt die soziale Verantwortung, die ein Unternehmen gegenüber der Gesellschaft trägt. Dabei sollen die Unternehmensaktivitäten dazu führen, die Welt um es herum positiv zu beeinflussen. CSR beschreibt dabei nur das unternehmerische Handeln.

Der Begriff ESG ist hingegen noch etwas weiter gefasst. Es geht sowohl um die intrinsische als auch extrinsische Motivation des Unternehmens und der Unternehmensführung, eine Firmenkultur aufzubauen, die nach ökologischen und sozialen Kriterien handelt. ESG bezieht sich dabei vor allem auf die Art und Weise, wie ESG-Kriterien im Unternehmen berücksichtigt werden. Diese Handlungen sollen dabei nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, sondern auch auf die Umwelt und die Performance des Unternehmens selbst. Zudem kommt bei ESG hinzu, dass Nachhaltigkeitsinitiativen kommuniziert und offengelegt werden, um vor allem nachhaltige Investments zu fördern. Bei solchen nachhaltigen, ökologischen und sozialen Geldanlagen spricht man dann von Socially Responsible Investments (SRI).

Das SROI besagt, dass sich nachhaltige Investitionen rentieren. © Shutterstock, TH2I Shutter Rich
Investitionen in ESG-Kriterien wirken sich positiv auf das Unternehmen aus. © Shutterstock, TH2I Shutter Rich

Was besagt der SROI?

Die Abkürzung SROI steht für Social Return on Investment. Vielleicht habt ihr schon mal vom ROI gehört, dem Return on Investment. Dabei handelt es sich um eine der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Es geht darum, die Rentabilität einer Investition zu berechnen, indem man das Verhältnis zwischen dem eingesetztem Kapital und dem Gewinn betrachtet. Anhand dessen kann der Erfolg gemessen werden.

Mit dem SROI funktioniert es ähnlich. Diese systematische Methode wird jedoch um soziale, ökologische und wirtschaftliche Werte erweitert. Demnach werden nicht nur Gewinne berücksichtigt, sondern auch der gesellschaftliche und umweltfreundliche Mehrwert. Der SROI bemisst somit die Erfolge der ESG-Kriterien. Dabei kann es sich um die Verbesserung der Mitarbeiterperformance oder eine erhöhte Effizienz handeln. Die Unternehmensführung kann sich an diesen Kennzahlen orientieren und ihre Maßnahmen entsprechend anpassen.

Die Arbeitssicherheit Sofort steht euch bei euren Fragen zur Seite

Digitalisierung, Umweltschutz und besonders Arbeitssicherheit und -gesundheit sind uns ein großes Anliegen. Deshalb wollen wir euer Unternehmen dabei unterstützen, Mitarbeitende zu schützen und euch bei euren Zielen zum Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz weiterhelfen. Vor allem Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen stellen die Grundlage für einen sicheren Arbeitsplatz da. Diese könnt ihr einfach und unkompliziert online durchführen. Außerdem bieten wir euch Zugang zu outgesourcten Betriebsbeauftragten für euer Unternehmen an.

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Beitragsbild: © Shutterstock, 3rdtimeluckystudio

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